Wo befindet sich das alte Mindener Domgeläut?

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Der Mindener Dom im Jahre 1895 (Foto gemeinfrei).
Der Mindener Dom im Jahre 1895 (Foto gemeinfrei).

Das heutige Mindener Domgeläut zählt mit seinen 13 Glocken, verteilt auf das Westwerk und den Vierungsturm, zu den großen Domgeläuten in Deutschland. Die Geschichte des Geläutes ist in weiten Teilen erforscht, nur findet sich zum unmittelbaren Vorgängergeläut in zahlreichen Publikationen ein Fehler, den es gilt einmal richtig zu stellen.

Da das ursprüngliche Geläut des Mindener Domes im Krieg zerstörte wurde – die letzten im Turm verbliebenen Glocken wurden beim Dombrand am 28. März 1945 vernichtet – musste nach Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit dem Wiederaufbau der Domes ein neues Geläut geschaffen werden.

So wurden am 29. Januar 1948 in der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher fünf neue Glocken für das Mindener Gotteshaus in der Disposition h° – d1 – e1 – fis1 – g1 gegossen. Als Material dienten unter anderem die bei der Feuersbrunst geschmolzenen Domglocken. Der Guss der drei großen Glocken gelang. Zwei kleinere wurden nachgegossen.

Russisch-orthodoxe-Holzkirche in Gifhorn
Russisch-orthodoxe-Holzkirche in Gifhorn

Bevor jedoch die Glocken nach Minden kamen, wurden sie erst einmal auf der Exportmesse in Hannover präsentiert – und dort auch geläutet. Mehr als zwölf Monate dauerten unterdessen die Arbeiten am Westwerk des Domes, in dessen Glockenturm später die Glocken läuten sollten. Am 3. März 1950 war es endlich soweit. Das Richtfest konnte im Westwerk gefeiert und die Glocken geweiht werden. Tausende Mindener verfolgten in der Domruine und auf den beiden Domhöfen die Feierlichkeiten. Sie hörten auch den ersten Anschlag an die große Glocke. 16 Tage später läuteten die Glocken zum ersten Mal im Westwerk.

Heute jedoch finden sich die unmittelbaren Nachkriegsglocken nicht mehr im Glockenbestand des Domes wieder. In den 1990er Jahren wurden sie gegen ein erheblich größeres achtstimmiges Geläut ausgetauscht. Gekrönt wurden das Geläut schließlich noch im Jahre 2011 mit einem fünfstimmigen Zimbelgeläut für den wiedererrichteten Vierungsdachreiter.

Was geschah nun aber mit den Nachkriegsglocken aus dem Jahre 1948? In zahlreichen Quellen werden sie als vernichtet beschrieben, so etwa auch im Kunstdenkmälerinventar aus dem Jahre 1998. Hier irren jedoch die Verfasser. Die Nachkriegsglocken wurden an die Eifeler Glockengießerei Mark abgegeben. Von dort verkaufte sie der damalige Glockengießer Hans August Mark an einen Privatmann und rettete die Glocken damit vor ihrer Zerstörung. Der Käufer der Glocken, Horst Wrobel – Besitzer des Mühlenmuseums Gifhorn –  hatte zu dieser Zeit aus eigenen Mitteln eine russisch-orthodoxe Holzkirche im niedersächsischen Gifhorn errichten lassen und installierte die Glocken am dortigen Kirchenneubau.

Somit kann das ursprüngliche Nachkriegsgeläut des Mindener Domes heute im niedersächsischen Gifhorn angeschaut werden. Geläutet werden können die Glocken heute nicht mehr, da sie ganz im Sinne der russisch-orthodoxen Glockenspielkunst starr aufgehängt wurden und damit lediglich angeschlagen werden können.

 

Russisch-orthodoxe Holzkirche in Gifhorn
Russisch-orthodoxe Holzkirche in Gifhorn

 

Glockenträger mit den vier größten Mindener Domglocken in Gifhorn
Glockenträger mit den vier größten Mindener Domglocken in Gifhorn

 

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Kleinste Mindener Domglocke. Sie hängt mit weiteren Glocken unter einem Vordach der russisch-orthodoxen Holzkirche.
Kleinste Mindener Domglocke. Sie hängt mit weiteren Glocken unter einem Vordach der russisch-orthodoxen Holzkirche.

 

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