Von Glockenschäden und verloren gegangenem Anstand – ein Erfahrungsbericht

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In der vergangenen Zeit ist es dem Verfasser vermehrt geschehen, dass bei Bereisungen zu Kirchengemeinden im Zuge von eigenen Forschungen zu campanologischen Themen an den Glockenanlagen gravierende Schäden festgestellt werden mussten, bei denen Glocken bereits gesprungen oder anderweitig durch Defekte an der Glockenanlage bereits geschädigt oder in ihrer wertvollen Substanz bedroht waren. Auch Schäden an Glockenstühlen traten gehäuft auf.

Es waren dabei allesamt Schäden oder drohende Schadensereignisse, die nicht nur wertvolle Kulturdenkmäler bei Nichtbeachtung weiter schädigen oder komplett zerstören, sondern auch die jeweiligen Kirchengemeinden vor hohe Kosten für die jeweilige Schadensbeseitigung stellen würden. Oftmals musste sich der Verfasser auch fragen, warum offensichtliche Schadenslagen nicht selbst erkannt wurden von den Kirchengemeinden.

Der Verfasser machte sich nach seinen Visitationen jeweils in seiner Freizeit die Mühe, indem er Arbeitskraft opferte und Schadensprotokolle anfertigte, welche er den jeweiligen Kirchengemeinden schriftlich zur Verfügung stellte. Bedauerlicherweise gab es von Seiten der Gemeinden auf die Schadensmeldungen keinerlei Rückmeldungen, vielmehr musste der Verfasser sich noch erkundigen, ob die Schadensmeldungen überhaupt eingegangen waren. Sowohl fehlende Rückmeldungen als auch ein kurzes Dankschreiben oder einen Telefonanruf auf die Schadensmeldungen vermisst der Verfasser bis heute, denn immerhin ersparte dieser den Kirchengemeinden in der Regel weitere nicht unerhebliche Kosten durch Schadensvergrößerungen und Folgeschäden. Wo sind Anstand und gute Umgangsformen geblieben? Können sich gerade Kirchengemeinden solche Verhaltensweisen leisten, wo doch immer mehr auf freiwillige Mitwirkung und Engagement gesetzt wird?

Für den Verfasser bleibt der bittere Nachgeschmack, wie dieser sich zukünftig verhalten soll. Resignieren und einfach die festgestellten Schäden nicht mehr an die Kirchengemeinden melden und dabei den Verlust von wertvollen Kulturzeugnissen riskieren? Vermutlich wird dies einem Glockenliebhaber nicht gelingen. Oder die Gemeinden übergehen und die zuständigen Denkmalpflegebehörden über den schändlichen Umgang mit Kulturgütern informieren und Maßnahmen einfordern? Keine dieser Überlegungen wird allerdings die so wichtige Kultur des Dankes ersetzen, auf die gerade auch Kirchengemeinden setzen müssen bei Erhalt des Gemeindelebens und Pflege der in Obhut befindlichen Kulturschätze. Mittlerweile bespricht der Verfasser in seinen Fundraisingkonzepten für Glockenprojekte auch den so wichtigen Punkt des Dankens, ein Umstand der eigentlich selbstverständlich sein sollte und es dennoch nicht mehr zu sein scheint. Bedauerlich, denn die daraus resultierenden Konsequenzen werden sich zeigen.