Die Glocken von St. Petri zu Altentreptow

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Die Monkehagen-Glockengießerwerkstatt, war die bedeutendste im 14. und 15. Jahrhundert in Mecklenburg und Pommern. Sie arbeitete in mehreren Städten Norostdeutschlands, hatte ihren Hauptsitz aber vermutlich um Rostock herum.

Gießerzeichen Monkehagen
Gießerzeichen Monkehagen

Aufgefundene Gießerzeichen neben dem der Monkehagen-Werkstatt auf einer Glocke in Anklam und unterschiedliche Stile von Verzierungen lassen darauf schließen, dass die Werkstatt von mehreren Meistern betrieben wurde. Beleg dafür ist auch die lange Wirkungszeit. Zahlreiche Glocken sind noch erhalten geblieben, darunter auch wenige Großglocken, in denen sich die hohe Qualität dieser Werkstatt zeigt.

Das einzig bis in die heutige Zeit erhaltene Geläute der Monkehagen-Werkstatt findet sich in der St. Petrikirche zu Altentreptow. Mit der ca. 4,5 Tonnen schweren “Großen Glocke” aus dem Jahre 1431 entstand eine der beeindruckendsten und schwersten Glocken der Monkehagen-Werkstatt im Nominal cis1 +3. Im selben Jahr entstand die erheblich kleinere Sonntagsglocke mit einem Gewicht von 816 kg und dem Nominal f1. Das Geläut wurde schließlich im Jahre 1455 mit dem Guß der ca. 2,5 Tonnen schweren Apostelglocke mit dem Nominal d1 ± 0 komplettiert.

Die beeindruckende Wirkung auf den Zuhörer kommt vor allem bei der großen Glocke zum tragen, da diese in besonders schwerer Rippe gegossen ist, wie beispielsweise auch die Professorenglocke des Greifswalder Domes (Nominal c1 -1, Gewicht 4020 kg) und die große Glocke der Marienkirche zu Rostock (Nominal d1 -1, Gewicht 4226 kg), welche ebenfalls aus der Monkehagen-Werkstatt stammen. Die enorme Klangfülle dieser Glocken ist fast schon unbeschreiblich.

Alle drei Glocken sind in unterschiedlich schweren Rippen gegossen. Dieser Umstand, als auch die Tatsache, dass es sich bei den drei Glocken um keine musikalisch geschlossene Einheit handelt, legt den Schluß nahe, dass je nach liturgischem Anlaß nur eine Einzelglocke Verwendung fand. Die Namensgebung der Glocken unterstützt zusätzlich diese These.

Aufgrund eines Gutachtens, welches die Sonntagsglocke als klanglich untragbar degradierte, wurde die Glocke 1929 abgehängt. Die Glocke wurde an einer Kapelle in einem freistehenden Glockenstuhl weiterverwendet bis sie zersprang und schließlich 1958 von der Gießerei Schilling aus Apolda zu einer fis1-Glocke mit 770 kg Gewicht umgegossen wurde. Diese Glocke wurde wieder im Petrikirchturm aufgehängt. Gleichzeitig erfolgte jedoch ein schwerer Eingriff in den Bestand, denn alle Glocken wurden an verkröpfte Stahljoche gehängt. Dieses führte neben dem schlechten Läuteverhalten zu einer Erhöhung der Sprunggefahr. Da die verköpften Stahljoche bauartbedingt zu Ermüdungsbrüchen und weiteren Schäden neigen, zeigte sich dieses schließlich auch in den 1990er Jahren bei den Glocken, so dass die “Große Glocke” stillgelegt wurde. Schließlich erfolgte die Rückhängung aller Glocken an gerade Holzjoche. In dieser Weise präsentiert sich das Geläute heute in dem noch original erhaltenen Bockstrebenstuhl aus der Gußzeit der ersten beiden Glocken.

Literaturempfehlung

Claus Peter: Die Glocken der Rostocker Altstadtkirchen. Hrsg. Oberkirchenrat der Ev.-Luth. Landeskirche Mecklenburgs, Bauabteilung. Juni 2011.

Claus Peter: Rickert de Monkehagen – eine mittelalterliche Glockengießerwerkstatt im Ostseeraum. In: Michael Bunners und Erhard Piersig (Hrsg.). Jahrbuch für mecklenburgische Kirchengeschichte. Mecklenburgia Sacra. Band 10,2007.

© S. Wamsiedler