10 Tonnen schwere Glocke für Prag gegossen

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Am Freitag, den 10. Juni 2022 wurde im österreichischen Innsbruck die knapp 10 Tonnen schwere Gedächtnisglocke #9801 gegossen, die zukünftig in der tschechischen Hauptstadt Prag erklingen wird.

Im Rahmen eines Projektes wurde die Idee entwickelt, 80 Jahre nach Raub und Vernichtung tausender Glocken der heutigen Tschechischen Republik durch die Nationalsozialisten diesem Ereignis würdig zu gedenken und die Erinnerungen an diese Taten wach zu halten.

Glockenzier der neuen Gedächtnisglocke. Quelle Presskit Projekt #9801

Ende des Jahres 1941 wurde von den Nationalsozialisten die Verordnung erlassen, in den Protektoraten Böhmen und Mären die Glocken aus Kirchen- und Rathaustürmen sowie anderen profanen Gebäuden abzunehmen und zunächst zentral zu sammeln. So wurde im Sommer 1942 eine Sammelstelle auf der Moldauinsel Rohan in Prag geschaffen, um von dort die Glocken per Schiff nach Hamburg zu transportieren und sie zur Materialgewinnung einzuschmelzen. Damit verschwand etwa 90 Prozent des Gesamtglockenbestandes der heutigen Tschechischen Republik, 9.801 Glocken wurden vernichtet.

An dieses Unrecht und den damit einhergehenden Verlust bedeutender Kulturgüter soll zukünftig die Gedächtnisglocke #9801 erinnern, die im Bereich der ehemaligen Moldauinsel Rohan, jenem schicksalshaften Ort, läutbar aufgehängt werden wird. Nach Fertigstellung soll die Glocke exakt 9.801 kg wiegen, um so mit ihrem Gewicht und ihrer tiefen Stimme im Schlagton f° stellvertretend für tausende verstummter Stimmen zu erklingen. Aber nicht nur ihr Klang soll Mahnung und Erinnerung sein, auch ihre Optik. So ist ein Teil der Glockenoberfläche mit Motiven von Bruchstücken vernichteter Glocken verziert, die auf dem Sammelplatz in Prag noch katalogisiert werden konnten. Die Inschrift der Glocke wird lauten: Ich spreche mit der Stimme von Tausenden von Glocken, die der Krieg zum Schweigen gebracht hat.

Die Projektinitiatoren hoffen, damit nicht nur an die Glockenvernichtung der Vergangenheit zu erinnern, sondern blicken auch in die Zukunft und regen zugleich an, die vielen, weiterhin leer stehenden Glockentürme seit des Zweiten Weltkriegs wieder mit Glocken zu füllen.