Bisher unbekannte Zuckerhutglocke in Mecklenburg entdeckt

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Eine bisher in der Campanologie und Kunstwissenschaft unbekannte Zuckerhutglocke konnte Ende Juli vom Verfasser in Mecklenburg entdeckt werden. Ein kleiner Sensationsfund, denn allzu viele Glocken dieses Typus existieren in Deutschland nicht mehr. Ihre heute nur noch geringe Anzahl kann auf verschiede Aspekte zurückgeführt werden. Viele sind im Laufe der Jahrhunderte Kriegswirren zum Opfer gefallen, wurden eingeschmolzen, bekamen Sprünge oder wurden schlicht deshalb ausgetauscht, weil ihr Klangbild als nicht mehr modern galt.
Vorausgegangen waren über ein Jahr lang andauernde Recherchen. Widrige Umstände verhinderten die Entdeckung allerdings bereits im vergangenen Jahr. Nun konnte das Instrument sogar überraschenderweise in läutefähigem Zustand vorgefunden werden.
Gegen Ende des 12. Jahrhunderts änderte sich die Technik des Glockengusses. Man ging vom Wachsausschmelzverfahren zum Mantelabhebeverfahren über. Beim vorangegangenen Verfahren floss das Wachs beim Brennen aus der einteiligen und geschlossenen Lehmform. Der entstandene Hohlraum wurde mit flüssiger Bronze gefüllt. Beim Mantelabhebeverfahren stellten die Gießer eine dreiteilige Glockenform aus Lehm her, sie bestand aus dem Kern, der falschen Glocke und dem Mantel. Die Gesamtform wurde gebrannt, anschließend der Mantel abgehoben, die falsche Glocke entfernt und der Mantel auf den Kern gesetzt. So entstand zwischen Mantel und Kern ein Hohlraum, in den hinein beim Guss erhitzte Bronze fließen konnte. Vermutlich entwickelte sich durch die neue Gießtechnik auch eine neue Glockenform mit einem langgestreckten, kegelstumpfförmigen Glockenkörper, die Zuckerhutglocke. Klanglich besonders an Zuckerhutglocken ist die oftmals stark vertiefte Prime, die mitunter bis zu einer Quinte unter dem Schlagton liegt. Bereits zum ausgehenden 13. Jahrhundert änderte sich allerdings schon wieder das Aussehen der Glocke. Einem verbesserten Klangideal geschuldet, entwickelte sich die gotische Dreiklangrippe, welche bis heute Bestand hat.
Die Auffindsituation der Zuckerhutglocke war eine besondere, denn sie befand sich in läutefähigem Zustand, allerdings nicht wie üblich in der Glockenstube, sondern in einem kleinen Holzglockenstuhl auf einem erhöhten Mauerabsatz in der Bälgekammer. Hier war sie leider durch die Gemeinde in Vergessenheit geraten und auch von ihrem Wert war nichts bekannt.
Auf Rücksicht auf die noch laufende Forschung und eine spätere Publikation zu diesem Fund soll an dieser Stelle der genaue Fundort sowie nähere technische und musikalische Daten des Instrumentes noch nicht veröffentlicht werden. Allerdings können Sie sich im nachstehenden Video einen ersten Hör- und Seheindruck des Instrumentes verschaffen.