Trauer um Rolf Klietz

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Glockengeburt in Salzwedel. Rolf Klietz (rechts) mit dem Glockengießer Simon Laudy.
Glockengeburt in Salzwedel. Rolf Klietz (rechts) mit dem Glockengießer Simon Laudy.

Rolf Klietz  *23.03.1942  † 11.09.2015

Am vergangenen Freitag, den 11. September verstarb Glockenbauer Rolf Klietz. Als Gründungsmitglied des Fördervereins Glocken St. Marien Stendal e. V. war er als begeisterter und begeisternder Glockenfreund bekannt, der seine handwerklichen und campanologischen Spuren vor allem in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen hinterließ. Einem größeren Publikum wurde er zudem bei dem im Jahre 2000 durchgegführten Kolloquium zur Glockenkunde des Deutschen Glockenmuseums in Stendal bekannt. Über die Jahre zählte er immer wieder zu den Teilnehmern des Kolloquiums zur Glockenkunde und war gern gesehener Gesprächspartner. Auch der Verfasser war über lange Jahre mit Rolf Klietz bekannt und verbunden und dankt ihm für zahlreiche Gespräche und Aktivität für die Glockenkultur.

Nachfolgend lesen Sie den Nachruf auf Rolf Klietz des Fördervereins Glocken St. Marien Stendal e.V.

Ich möchte in Vertretung aller FV-Mitglieder des Förderverein Glocken St. Marien Stendal e. V., aber in erster Linie persönlich mit Ihnen allen trauern und versuchen, die richtigen Worte für den Abschied zu finden.
Abschied nehmen wir von einem wirklich großherzigen Menschen, einem inspirierenden großartigen Handwerker und einem begeisterten und begeisternden Glockenfreund, der seine Arbeiten mit Herz und Verstand und nicht zuletzt, wie er gern sagte, „zur Ehre Gottes“ und dem Gemeinwohl ausgeübt hat.

Rolf Klietz war 1996 Gründungsmitglied des FV und er war einer, der für den Verein und für seinen Beruf gebrannt hat – als Elektromeister, Schlossermeister und mit ganzem Herzen als Glockenbauer.

Fast 25 Jahre wirkte er in rund 1000 Kirchen von Stendal und Umgebung, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, wo er rund 300 davon instand gesetzt hat und/oder sie ausführlich auf ihren Zustand untersucht bzw. beschrieben hat. Keiner von uns kannte und kennt sich so gut mit Glocken aus und hat diese fundierten Fachkenntnisse – egal ob es sich um die Glockenfertigung, Glockengeschichte, Gießer oder um die handwerkliche Umsetzung handelte. Immer wieder hat er es verstanden, uns bei den Führungen in St. Marien oder auf den zahlreichen Exkursionen im In- und Ausland auf die Besonderheiten der jeweiligen Glocken, Türme, Glockenstühle, Gießer … aufmerksam zu machen.

Er ist nie müde geworden, uns sein Wissen zu vermitteln und sich selbstständig weiter zu bilden. Seine Vorhaben hat er immer komplex betrachtet und ist dabei den Dingen auf den Grund gegangen. Schwierige Glockenprojekte hat er angepackt und vollendet. Neben den großen Stendaler Glocken von St. Marien, Dom St. Nikolaus und St. Jacobi hat er ebenso bedeutende Geläute, wie z. B das Braunschweiger Domgeläut mit seinen drei van Wou Glocken, Glocken im Kirchenkreis Wolfenbüttel, Harzregion, Landkreis Stendal und Salzwedel instand gesetzt. Auch kleinere Glocken, wie die Klosterglocke in Ebstorf, die Glocken auf dem Campus von Wolfenbüttel oder die Glocken der Christopherus Gemeinde in Helmstedt lagen ihm genauso am Herzen.

Wer von den Besuchern bei Turmführungen Rolf Klietz erlebt hat, weiß wovon ich spreche. Seine Begeisterung hat uns und die Besucher angesteckt und er hatte immer eine passende Antwort auf jede Frage.

All diese Tätigkeiten machten ihn weit über die Hansestadt Stendal hinaus bekannt und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er 2010 mit dem Kulturpreis der Hansestadt Stendal ausgezeichnet wurde und im Braunschweiger Dom das Imervardkreuz (Nachbildung 1150), die höchste Auszeichnung vom Braunschweiger Dom, überreicht bekommen hat. Die Selbstbezogenheit und Selbstbespiegelung mancher Zeitgenossen waren ihm fremd und passten nicht zu seinem Wertekanon.

Wir sprachen öfter darüber, dass er sein Wissen,  die Zustandsberichte und Forschungsergebnisse über Glocken aufschreiben und veröffentlichen sollte. Er wollte, wie er es immer so schön formulierte, in seinem „Dritten Leben“ dies tun, aber leider fehlte ihm hierzu die Zeit und Kraft.

Somit müssen wir heute vom einem hervorragenden Handwerker und Glockenfreund Abschied nehmen. Er bleibt in unseren Köpfen und Herzen. Er hat uns übertragen, sein Werk in Ehren zu halten und für die von ihm geerbten Werte einzutreten. Wir danken seiner Familie und insbesondere seiner Frau, dass sie ihm so viel Zeit für seine Arbeit im Förderverein und in St. Marien, an der wir teilhaben durften, gelassen hat.

Wir alle können Ihren großen Verlust und die Traurigkeit nur erahnen. Auch wir trauern sehr, denn es war wirklich eine schöne Zeit mit ihm und ich habe viel von ihm gelernt.

Bärbel Hornemann, Vorsitzende des Fördervereins Glocken St. Marien Stendal e.V.

 

Der Gedenk- und Trauergottesdienst findet am Freitag, den 18.09.2015 um 17:00 Uhr in der St. Marienkirche zu Stendal statt. Zu Ehren von Rolf Klietz wird vor Beginn des Trauergottesdienstes das volle Geläut erklingen (die Läuteordnung sieht normalerweise nur das Geläut der Glocke Osanna vor). Ab 16:00 Uhr besteht bereits die Möglichkeit in die Marienkirche zu gehen, um vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Von freundlich zugedachten Blumen ist bitte Abstand zu nehmen.
Die Urnenbeisetzung findet am Freitag, den 2. Oktober um 13:00 Uhr in Berkau statt.

Hören Sie im nachfolgenden Video das volle Geläut der St. Marienkirche zu Stendal