Seit heute ist GLOCKEN.tv online

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Heute ging die Internetseite GLOCKEN.tv offiziell an den Start. Hier ein erster Eindruck von dem Projekt.

Bei der Internetseite handelt es sich um eine Plattform, die Glockengeläute in Filmen vorstellen möchte. Auf der Seite selbst findet sich zum Projekt folgende Beschreibung:

GLOCKEN.tv soll eine Anlaufstelle im Internet für Glockeninteressierte und Heimatverbundene werden. Jeder Glockenturm bekommt unter www.glocken.tv seine eigene Unterseite, auf der man sich u.a. ein hochwertig produziertes Glocken-YouTube-Video anschauen, einen geschichtlichen Abriss der Kirche abrufen oder das Glockengeläut als Klingelton herunterladen kann. Gestartet wurde dieses Projekt im Evangelischen Dekanat Kronach-Ludwigsstadt. Weitere (bundesweite) Glocken-YouTube-Videos sollen nun folgen.

Die zunehmende Beliebtheit Glockenvideos im Internet zu präsentieren ist vielen Lesern sicherlich bekannt. Leider ist dieses an manchen Stellen bereits zu einem gewissen Sport verkommen, wenn man sich so manchen Youtube-Kanal zum Thema Glocken anschaut (wer stellt das Geläut xy als Erster ein, wer erhält ein Sondergeläut für seine Aufnahme etc.). Trotz dieser Nebeneffekte lassen sich auf diesem Wege doch mittlerweile vielfältige Informationen über ein Geläut zusammentragen, ohne es selbst gleich persönlich aufsuchen zu müssen. Dies ist für eine erste Recherche ein großer Vorteil, sofern man in der Fachliteratur nicht fündig wird.

Zunächst einmal ist die Idee zu loben, eine Internetseite mit gebündelten hochwertig produzierten Glockenvideos bereitzustellen, denn es gibt solch eine Seite im Netz noch nicht – abgesehen von den vielen Youtube-Glockenvideos in unterschiedlichen Qualitäten.

GLOCKEN.tv richtet sich also in erster Linie an Glockeninteressierte (darunter verstehe ich den sogenannten Glockenfreund, weniger den Campanologen) und Heimatverbundene. Eine zweischneidige Sache, wenn man den Informationsgehalt dieser Internetseite betrachtet.
Der Heimatverbundene – wohl meist Gemeindemitglied oder dem näheren Kreis zuzuordnen – freut sich, das er die Glocken seiner Heimatgemeinde oder seiner Nachbarkirche einmal in Aktion sehen und hören kann ohne selbst auf den Kirchturm steigen zu müssen. Für diese Zielgruppe ist der Informationsgehalt von GLOCKEN.tv mehr als ausreichend, zumal auch noch der Download einer Audiodatei bereit steht sowie das Video in 3D-Technik.
Der Glockeninteressierte wird schon eher enttäuscht sein vom Angebot der Seite, denn vielfach wird nur das Geläut in einem Videofilm präsentiert. Nähere Angaben zum Geläut sind zumeist sehr spärlich bzw. fehlen ganz. Wer sich aber als Glockeninteressierter auf dieser Seite informieren möchte, erwartet neben dem Glockenfilm auch Daten zum Geläut. Was nützt es, läutende Glocken zu sehen und zu hören, allerdings nichts über ihr Gußjahr, den Gießer, ihren Ton oder auch ihre Größe (Gewicht und Durchmesser) zu erfahren. Der Campanologe vermag immerhin noch die Tonhöhe bzw. auch einzelne Gießereien zu bestimmen. Hier sollte nochmal nachgebessert werden. Als Vorbild empfiehlt sich die Internetseite der Glockeninspektion des Erzbistums Freiburgs, die immerhin die wichtigsten Angaben zum jeweiligen Geläut nennt.
Ein weiterer Punkt mag dem Glockeninteressierten die Videos etwas verleiden. Bei vielen Geläuten ist ein schlechtes An- und Ausläuten zu hören. Viele Glocken fallen gemeinsam ein oder werden kreuz und quer ein- und ausgeschaltet. Da es sich bei Glocken allerdings in erster Linie um Musikinstrumente handelt, sollte auf die Musikalität auch besonderer Wert gelegt werden. Dies bedeutet für zukünftige Videos: Es sollte auf ein sauberes und gestaffeltes Ein- und Ausläuten geachtet werden, um die einzelnen Musikinstrumente und das Gesamtgeläut musikalisch sinnvoll zu präsentieren.
Als weiterer Punkt zur Verbesserung wäre die Kameraführung anzumerken, denn sie findet nicht statt. Leider scheint die Kamera bei bisher allen eingestellten Videos nur auf dem Stativ mit einer Einstellung zu stehen. Das ist zum einen Langweilig, zum anderen werden spannende und interessante Eindrücke nicht vermittelt, so etwa die Größe der Glockenstube, einzelne läutende Glocken im Detail (z.B. Klöppelanschlag) oder auch verdeckte Glocken im Hintergrund. Für kommende Videos wünscht man sich daher einige Schwenks, um beispielsweise auch einmal nicht sichtbare oder im Hintergrund läutende Glocken besser sehen zu können.

Als sehr positiv ist in jedem Fall die Bild- und Tonqualität anzumerken. Die Bilder sind sehr hoch aufgelöst – auf Wunsch sogar in 3D anzusehen -, ein übersteuern des Tons ist nicht zu vernehmen.
Weiterhin fällt die sehr gute Vernetzung von GLOCKEN.tv auf. So ist die Seite sowohl bei Facebook als auch bei Twitter mit einem eigenen Account aktiv. Zudem lässt sich der Standort der jeweiligen Kirche per Google Maps ersehen, Fotos bei Panoramio anschauen und die jeweilige Audiodatei des Geläutes bei SoundCloud kostenfrei herunterladen. Hier versteht der Autor sein Handwerk.

Fazit: Für den Anfang verdient die Projektumsetzung Lob, wenn auch noch Verbesserungspotenzial vorhanden ist, welches auch unbedingt umgesetzt werden sollte. Denn nur so lassen sich neben den Heimatverbundenen auch die Glockeninteressierten dauerhaft auf diese Internetseite locken.