Ein Kathedralgeläut für den Magdeburger Dom

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Westwerk des Magdeburger Domes

Der Magdeburger Dom St. Mauritius und Katharina ist das Wahrzeichen der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Aber er ist noch viel mehr. Der Dom ist die am frühesten fertiggestellte Kathedrale der Gotik auf deutschem Boden und zugleich Grablege Ottos des Großen (I.), erster Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.
Seit der Einweihung der Hauptorgel im Jahre 2008 ist man der musikalischen Wiederausstattung des Domes ein Stück näher gekommen. Das Geläut jedoch gleicht durch Zerstörung und Zwangsabgabe seit langer Zeit immer noch einem Torso. Einer Kathedrale, die einst über einen reichhaltigen Glockenschatz verfügte, wahrlich nicht angemessen. Auch musikalisch ist das Geläut durchaus zerissen, wobei seit Jahren bereits die Dominica-Glocke zum Schweigen verurteilt ist.
Seit der politischen Wende wurden immer wieder Anstöße zur Wiederergänzung des Geläutes gegeben. Nun kommt aber endlich Bewegung in das Glockenprojekt.

Dominica-Glocke, stillgelegt

Planungen zur Disposition des zukünftigen Domgeläutes sind bereits vorhanden. Ob diese sich jedoch auch in die Tat umsetzen lassen, soll ein derzeit in der Ausführung und Auswertung befindliches Schwingungsgutachten für beide Domtürme klären. Sorgen macht dabei vor allem der Südturm, der von innen bis auf wenige Zwischendecken nie ausgebaut war und auch die letzten hunderte von Jahren keine Glocken trug. Er soll einmal sieben der acht neu zu gießenden Glocken tragen, darunter die neue Bordunglocke mit 14t Gewicht.

Vorsichtige Schätzungen gehen von einem Finanzbedarf von zwei Millionen Euro aus, wobei der überwiegend größte Anteil für die Errichtung von Glockenstühlen und weiteren Baumaßnahmen auszugeben ist.

Man darf auf das Ergenbnis der Schwingungsuntersuchungen gespannt sein und hoffen, dass sich das Glockenprojekt in naher Zukunft endlich realisieren lässt.

 

Derzeitig geplante Disposition für den Magdeburger Dom

Nr. Name Gußjahr Gießer Schlagton Gewicht
I geplant ca. 14.000 kg
II Susanne 1702 Johannes Jacobi, Berlin ca. 8.800 kg
III geplant ca. 5.800 kg
IV Apostolica 1690 Jacob Wenzel, Magdeburg 4.980 kg
V Dominica 1575 Eckart Kucher, Erfurt ca. 2.600 kg
VI geplant  –  d1  ca. 1.720 kg
VII geplant  –  e1  ca. 1.300 kg
VIII geplant  –  fis1  ca. 910 kg
IX geplant  –  g1  ca. 820 kg
X geplant  –  a1  ca. 580 kg
XI geplant  –  h1  ca. 440 kg
XII Orate 13. Jh. unbezeichnet e2 ca. 200 kg