St. Ulrici-Kirche zu Sangerhausen

Archäologen entdecken Glockengußgrube in Sangerhausen

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St. Ulrici-Kirche zu Sangerhausen
St. Ulrici-Kirche zu Sangerhausen

Einen bedeutenden Fund machten dieser Tage Archäologen in der Stadt Sangerhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz. Wie die Mitteldeutsche Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe berichtet, stieß man bei Straßenbauarbeiten im Bereich der St. Ulrici-Kirche auf die Reste einer Glockengußgrube.

Es wurde unter anderem ein Feuerungskanal zum Ausbrennen der Form entdeckt mit verkohlten Holzstücken und Ascheresten. Nach Angaben der Archäologen zeichnet sich die Gießform der Glocke noch deutlich im Boden ab. Außer der Gießgrube wurden Gießtropfen aus Bronze entdeckt, ein Beweis für den vor Ort Guß, sowie kleine Bruchstücke vom Mantel der Form, auf denen man sogar das Negativ von einer Verzierung auf dem Glockenmantel erkennen kann.

Anhand von weiteren gefundenen Keramikscherben beziffert der Archäologe Manfred Böhme das Alter der Gußgrube als aus dem 13./ 14. Jahrhundert stammend.

Es ist nun weiter zu klären, ob die entdeckte Gußgrube sich einer Glocke von St. Ulrici zuordnen lässt. Der Kirchbau besitzt noch heute ein historisch sehr bedeutsames Dreiergeläut mit den Schlagtönen b° (in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutlich von einem lothringischen Wandergießer gegossen),  f1 (Mitte des 15. Jahrhunderts gegossen) und as1 (Mitte des 14. Jahrhunderts gegossen).

Die Glocken hängen heute leider an stark verkröpften Stahljochen mit Gegengewichtsklöppeln. Die unzulängliche Aufhängesituation der Glocken ist der Gemeinde bekannt, jedoch fehlt zur Zeit das Geld für eine Sanierung.

Im nachstehenden Video des Verfassers hören und sehen Sie das Vollgeläut von St. Ulrici zu Sangerhausen.